Bundesweit sind die Baugenehmigungszahlen im Februar 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 24,1 Prozent gestiegen. In Hessen lag das Plus hingegen nur bei 1,7 Prozent – lediglich 1.130 Wohnungen wurden genehmigt. Der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest) sieht dringenden Handlungsbedarf und fordert von der Politik mehr Engagement – auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.
Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand VdW südwest, sagt: „Als eines der wirtschaftsstärksten Länder kann es nicht der Anspruch Hessens sein, bei den Baugenehmigungszahlen über 20 Prozentpunkte hinter dem Bundestrend zurückzubleiben. Für alle, die dringend eine bezahlbare Wohnung suchen, bedeutet das eine fatale Perspektive.“
Dabei ist der Bedarf an Wohnraum enorm: Über 26.000 Wohnungen werden nach Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bis 2030 jährlich in Hessen benötigt. Dies sei mit den aktuellen Genehmigungszahlen nicht zu erreichen, mahnt Tausendpfund.
Iran-Krieg verschärft die Situation
Er gibt zu bedenken: „Der ohnehin schon sehr bescheidene Aufschwung spiegelt zudem nur Zahlen aus der Zeit vor dem Iran-Krieg wider. Durch die angespannte Lage rund um die Straße von Hormus und in der gesamten Nahostregion verschärft sich die Situation jedoch. Beschädigte Produktionsanlagen für Baustoffe und die Rohstoffpreise lassen die ohnehin schon hohen Baukosten weiter steigen. Gleichzeitig bleibt das Zinsniveau hoch. Es ist somit zu befürchten, dass die Trendwende abgewürgt wird, bevor sie richtig begonnen hat.“
Umso wichtiger sei es, dass die Politik schnell reagiere und alle Hebel in Bewegung setze, dass Bauen schneller, einfacher und günstiger werde. Auf Landesebene müsse das Baupaket II schnell umgesetzt werden. „In der Landesbauordnung müssen alle überzogenen und nicht sicherheitsrelevanten Baustandards reduziert werden, um den Neubau anzukurbeln“, sagt Tausendpfund.
,E wie einfach‘ muss Realität werden
Auch die Bundespolitik nimmt er in die Pflicht und fordert mehr Engagement für einfacheres Bauen: „Das bisherige Eckpunktepapier für den Gebäudetyp E muss zügig in ein Gesetz münden. ,E wie einfach‘ muss jetzt endlich Realität werden. Weniger Komplexität, klare Standards und schnellere Entscheidungen sind der Schlüssel, damit wieder mehr gebaut wird und Menschen schneller eine bezahlbare Wohnung finden.“ Entscheidend sei dabei ein Systemwechsel: Bauen nach den Maßstäben für den Gebäudetyp E müsse zum Standard werden und nicht bloß die erlaubte Ausnahme von der Regel sein. Freiwillig nach höheren Standards bauen dürften Bauherren aber natürlich auch künftig.
Zudem fordert Tausendpfund die Kommunen auf, mehr auf die Möglichkeiten des Bau-Turbos zurückzugreifen. Sie müssten verstärkt ihre Gestaltungsspielräume nutzen und Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzen. Mit schlankeren Verfahren könnten schneller und günstiger mehr Wohnungen entstehen.
Soziale und wirtschaftliche Folgen
Tausendpfund resümiert: „Genügend Wohnraum ist eine unverzichtbare Voraussetzung für soziale Stabilität und gesellschaftlichen Frieden. Er ist aber auch ein entscheidender Wirtschaftsfaktor: Wenn es nicht genügend Wohnungen gibt, kann es nicht gelingen, Arbeitskräfte zu gewinnen. Das nicht ausreichende Wohnungsangebot wird damit in Hessen zu einer massiven Job- und Wirtschaftsbremse. Deswegen muss die Politik dringend gegensteuern.“
Der VdW südwest tritt für die Interessen von rund 200 privaten und öffentlichen Unternehmen der Wohnungswirtschaft in Hessen und dem südlichen Rheinland-Pfalz mit einem Wohnungsbestand von rund 470.000 Wohnungen ein. Mit einer Durchschnittsmiete von 7,30 Euro in Hessen und 6,42 Euro in Rheinland-Pfalz steht die im VdW südwest organisierte Wohnungswirtschaft in besonderem Maß für bezahlbares Wohnen. Als selbstständiger Regionalverband mit Sitz in Frankfurt am Main gehört der VdW südwest dem GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., Berlin, an, der insgesamt 3.000 Unternehmen mit Wohnungen für 13 Millionen Menschen in Deutschland vertritt.
