
Kann Rheinland-Pfalz von anderen Ländern lernen, wie Bauen einfacher werden kann? Das 24. Bauforum blickte über den Tellerrand nach Hamburg, nach Bayern und in die Niederlande. Und der Staatssekretär des Finanzministeriums versprach: Im Herbst kommt ein Maßnahmenkatalog, der Bauen in Rheinland-Pfalz erleichtern soll.
Die Baukosten steigen und steigen und machen so nicht nur das Bauen, sondern letztlich auch das Mieten immer teurer. So teuer, dass es sich immer weniger Menschen leisten können, weshalb die Baugenehmigungszahlen im vergangenen Jahr eingebrochen sind.
Um das wieder zu ändern, wird auch in den Bundesländern diskutiert, welche Normen angepasst werden können, um das Bauen wieder günstiger zu machen. Das klare Credo: Bauen muss wieder einfacher werden. Oder, um es im Titel mit dem 24. Bauforum zu sagen: „Baut doch einfach!“
Vollkaskomentalität
Das Grundproblem, weshalb sich Standards zu Kostentreibern entwickelt hätten, liege in der deutschen Vollkaskomentaliät, so Prof. Werner Sobek, der als Keynotespeaker das Bauforum eröffnete. Alles solle 100 Prozent sicher und perfekt sein. Einfaches Bauen erfordere deshalb einen Mentalitätswechsel. Das gelte unter anderem für die Gebäudeenergiepolitik. Die Gesetzgebung adressiere zum einen den theoretisch errechneten Energiebedarf und nicht den tatsächlichen Verbrauch und CO2-Ausstoß in den Gebäuden. Was sich nur wie ein kleiner Unterschied anhöre, habe eine gewaltige Wirkung.
Denn die Orientierung am theoretischen Bedarf führe dazu, dass große Summen in die Gebäudehülle investiert werden müssten. Sobek rechnet mit 5.200 Milliarden Euro bis zur Klimaneutralität 2045, wenn am bisherigen Effizienzhausstandard festgehalten wird. Dabei ginge es günstiger. „Wir haben kein Energieproblem in Deutschland“, sagte Sobek. „Wir haben ein Energieträgerproblem.“ Nämlich: die Abhängigkeit von Gas und Öl. Es gehe also in erster Linie darum, den Energieträger zu wechseln.
Mit Blick auf die endlichen Ressourcen der Erde müssten zudem Baumaterialien eingespart werden, wo es nur ginge. Die Methoden dafür lägen bereits seit längerem vor. Nun müssten auch die Vorschriften angepasst werden, damit sie flächendeckend zum Einsatz kommen können. Das Bundesland, das als erstes einen solchen Versuch unternommen hat, ist Bayern. Der so gennante „Gebäudetyp E“ soll die Voraussetzungen dafür schaffen, auf vertraglicher Grundlage haftungssicher von allgemeinen Regeln der Technik abzuweichen. In Bayern hat das Bauministerium dazu Pilotprojekte durchgeführt, um Einsparpotenziale und in Material in den Finanzen zu finden. Sabine Frohnmüller, Referatstleiterin im Bayrischen Bauministerium stellte die eingebrachten Regelungen in der Landesbauordnung vor, Architekt Rainer Hofmann das „große kleine Haus“, eines der Modellprojekte.
Der Stadtstaat Hamburg hat einen anderen Weg gewählt mit dem gleichen Ziel: Baukosten senken. In einem groß angelegten Prozess mit zahlreichen Akteuren, aus der Bau- und Wohnungswirtschaft, der Wissenschaft, aber auch der Verwaltung, wurden zahlreiche Maßnahmen eruiert, mit denen Bauen kostengünstiger werden kann: Bis zu 2.000 Euro pro Quadratmeter sollen eingespart werden können. Und zwar durch Änderungen in den Baustandards, bei Planung und Prozessen und in den behördlichen Verfahren.
„Am meisten überrascht hat mich, wie viel wir doch auch vor der eigenen Tür kehren müssen“, gestand Michael Munske, Hamburgs Leiter des Amts für Bauordnung und Hochbau, der den sogenannten „Hamburg-Standard“ vorstellte auf eine Frage von Moderatorin Alexandra May. Zunächst habe er geglaubt, mit dem durchgängig digitalen Genehmigungsprozess gut aufgestellt zu sein. Doch auch da habe es Optimierungsbedarf gegeben.
Blick in die Niederlande
Gerne als gutes Beispiel für gesetzliche Standards, die einfaches Bauen ermöglichen, werden die Niederlande herangezogen. Das Architekturbüro „De Zwarte Hond“ arbeitet sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland und hat daher den Vergleich. Matthias Rottman, Partner des Architekturbüros, stellte dar, was in unserem Nachbarland architektonisch möglich ist, beispielsweise durch einfachere Standards im Schallschutz, aber auch bei der Barrierefreiheit. „Dafür ärgern wir uns in den Niederlanden über andere Regeln, die das Bauen schwieriger machen“, sagte er.
Maßnahmen angekündigt
Für das rheinland-pfälzische Finanzministerium zog Staatssekretär Dr. Stephan Weinberg die Konklusio der Veranstaltung im Grunde schon am frühen Nachmittag. Er kündigte an, im Herbst 2025 einen Maßnahmenkatalog vorzulegen, der die rheinland-pfälzischen Regeln zum Bauen kostengünstiger machen sollen. Einige Dinge setze die Landesregierung aber bereits auch um, sagte er mit Verweis auf die Landesbauordnung, die gerade im Parlament beraten wird.
In der Podiumsdiskussion unter anderem mit Joachim Rind, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, und Johannes Lauer, Vorsitzender des Unternehmerverbands Handwerk, stellte Adalbert Fettweiß, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft rheinland-pfälzischer Wohnungsunternehmen noch einmal klar, wozu die ganze Diskussion diene. „Wir von der sozial orientierten Wohnungswirtschaft wollen Bauen nicht günstiger machen, um mehr Rendite zu erwirtschaften. Wir wollen günstige Mieten anbieten.“








