22. August 2025

Jahres-PK 2025

Jahres-PK 2025 ATA

Politik in der Pflicht

Sinkende Baugenehmigungszahlen, weniger Baufertigstellungen – der hessische Wohnungsmarkt ist weiter in großen Nöten. Ein Ende der Krise? Nicht absehbar. Der VdW südwest hat auf seiner Jahrespressekonferenz Ende August die Politik in die Pflicht genommen: Bessere Rahmenbedingungen – insbesondere gut ausgestaltete Förderprogramme – sind nötig, damit mehr bezahlbare Wohnungen entstehen können.

Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand VdW südwest, sagte: „Wir brauchen dringend die Trendwende am Wohnungsmarkt. Wenn es nicht gelingt, allen Menschen ein Zuhause zu ermöglichen, das sie sich leisten können, setzen wir den gesellschaftlichen Frieden
aufs Spiel.“

Wichtige Kennzahlen verdeutlichen das Ausmaß der Krise: Die Baugenehmigungszahlen blieben im ersten Halbjahr 2025 in Hessen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar nahezu konstant (+ 1,1%) – in absoluten Zahlen bedeuten die 7.739 Genehmigungen
jedoch ein sehr niedriges Niveau. Bei den Baufertigstellungen ist sogar ein markanter Rückgang zu verzeichnen: Die Zahl sank 2024 von 21.292 auf 17.977 und damit um 15,6%.

Dem Bedarf an Wohnraum wird dies bei weitem nicht gerecht: Nach einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) werden in Hessen bis 2030 jährlich über 26.000 Wohnungen benötigt.

Viel zu wenig Wohnungen
Tausendpfund bereitet die Entwicklung große Sorge: „Schon jetzt gibt es viel zu wenig Wohnungen. Die Baufertigstellungen reichen bei weitem nicht aus, daran etwas zu ändern. Und da auch nur sehr wenig Baugenehmigungen erteilt wurden, ist die Perspektive
auf mehr Wohnungen in der Zukunft ebenfalls verheerend.“

Das habe massive Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort. Gerade in Ballungszentren wie dem Rhein-Main-Gebiet und in den Großstädten – also da, wo es die meisten Arbeitsplätze gibt – fänden Fachkräfte kaum mehr bezahlbare Wohnungen. Studierenden
an den Hochschulstandorten ergehe es ähnlich. „Dadurch wird die wirtschaftliche Entwicklung im Bundesland stark ausgebremst“, mahnt Tausendpfund. Die Unternehmen suchten händeringend qualifiziertes Personal, aber ohne bezahlbare Wohnungen
im Umfeld könnten attraktive Arbeitsplätze nicht besetzt werden.

Die sozial-orientierte Wohnungswirtschaft tut alles dafür, um die Situation zu entschärfen. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen haben die Unternehmen ihre Investitionen in den Wohnungsbau 2024 mit 1,36 Milliarden Euro auf einem sehr hohen Niveau gehalten. Aber: Kostendeckendes Bauen ist ihnen kaum mehr möglich. Dafür müssten sie Wohnungen zu Quadratmeterpreisen von 18 bis 20Euro vermieten – Preise, die nicht dem Selbstverständnis der Unternehmen entsprechen. Mit 7,30 Euro pro Quadratmeter
halten die im Verband organisierten Wohnungsbauunternehmen ihre durchschnittliche Nettokaltmiete weiter deutlich unter dem hessischen Durchschnitt.

Tausendpfund betonte: „Unsere Unternehmen nehmen ihre Verantwortung seit Jahren wahr. Wenn sie als Garant für faire Mieten nicht mehr in der Lage sind, neuen Wohnraum zu schaffen, leiden darunter alle Menschen, die sich keine teuren Wohnungen
leisten können.“ Was also muss geschehen? Auch die Politik müsse Verantwortung übernehmen, und es den Unternehmen
ermöglichen, mehr zu bauen, so Tausendpfund. Die Novelle der Bauordnung liefere gute Ansätze, das Bauen schneller, einfacher und günstiger zu machen. Wichtig seien laut dem Verbandsvorstand aber auch gute Wohnraumförderprogramme: „Die sozial
orientierte Wohnungswirtschaft in Hessen hätte 2024 den Bau von rund 30% mehr geförderten Wohnungen angehen können, wenn sie alle beantragten Fördergelder erhalten hätte.“ Doch der dafür seitens des Landes zur Verfügung gestellte Etat war in
der jüngeren Vergangenheit zu knapp bemessen.

Führungsrolle übernehmen
Der Bund hat bereits angekündigt, die Mittel für die Förderprogramme signifikant zu erhöhen. Tausendpfund forderte auch vom Land eine merkliche Aufstockung: „Hessen ist eines der wirtschaftsstärksten Bundesländer in Deutschland. Da muss es doch der
Anspruch sein, eine Führungsrolle zu übernehmen und mit guten Förderprogrammen Vorbild für den Bau bezahlbarer Wohnungen zu sein. Nicht ohne Grund heißt es auch im Koalitionsvertrag von CDU und SPD in Hessen: ,Förderanträge sollen nicht aus
finanziellen Gründen abgelehnt werden‘.“ Dieser Leitsatz müsse weiterhin Geltung haben. Deswegen appelliert Tausendpfund die Mittel deutlich zu erhöhen.

Wichtig sei zudem, die Förderkonditionen attraktiv zu halten. Nur dann würden die Gelder auch beantragt und abgerufen. Tausendpfund sagte: „Die Nachfrage nach Fördergeldern zeigt: Unsere Unternehmen wollen bauen! Es wäre daher geradezu absurd, bei dem enormen Bedarf an Wohnungen die Konditionen zu verschlechtern. Im Gegenteil: Das Land muss die Nachfrage
als Chance nutzen, denn wir können es uns nicht leisten, die Krise weiter zu verschärfen.“ Er resümiert: „Wir brauchen dringend eine Kehrtwende. Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft steht dafür in den Startlöchern – aber den Startschuss muss das Land geben.“

Voosen, Jan
Jan Voosen
Abteilungsleiter Kommunikation, Pressesprecher

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