Während im Bund die Baugenehmigungszahlen im April um 9,2 Prozent gestiegen sind,
muss Hessen einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10,1 Prozent
hinnehmen. Der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest)
mahnt: Als eines der wirtschaftsstärksten Bundesländer in Deutschland könne es sich
Hessen nicht leisten, so stark gegenüber dem Bundestrend abzufallen.
Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand VdW südwest, sagt: „Wir reden nicht über ein leichtes
Hinterherhinken – wir reden über eine Entwicklung, die nun schon den zweiten Monat
hintereinander komplett gegenläufig zum Bundestrend ist.“ Er warnt neben den
gravierenden sozialen Problemen auch vor den wirtschaftlichen Folgen: „Schon jetzt gibt
es viel zu wenig Wohnungen und wenn nicht genügend hinzukommen, wird es auch nicht
gelingen, Arbeitskräfte zu gewinnen. Das nicht ausreichende Wohnungsangebot kann zu
einer massiven Job- und Wirtschaftsbremse zu werden. Deswegen muss die Politik
dringend gegensteuern und auf allen Ebenen Verantwortung übernehmen, dass Bauen
wieder schneller, einfacher und günstiger wird und mehr Wohnungen entstehen. Vorfahrt
für den Wohnungsbau darf keine bloße Floskel bleiben.“
Auf Landesebene lieferten die schon umgesetzten und teilweise noch in der Planung
befindlichen Baupakete durchaus gute Grundlagen, um in der Landesbauordnung alle
überzogenen und nicht sicherheitsrelevanten Baustandards zu reduzieren. Doch das
allein reiche bei Weitem nicht, wie die aktuellen Zahlen belegten, so Tausendpfund: „Die
Unternehmen brauchen eine bessere Planbarkeit für ihre Vorhaben. Jede Unsicherheit ist
Gift für den Wohnungsmarkt.“ Deswegen müsse auch dringend bald Klarheit über die
neue Förderrichtlinie in Hessen herrschen. In diesem Jahr seien derzeit nach wie vor noch
keine Förderanträge möglich.
Das Urteil zur Mietpreisbremse in Frankfurt trage unterm Strich ebenfalls zu einer
Verunsicherung der Märkte bei.
Tausendpfund sieht aber auch auf Bundesebene akuten Handlungsbedarf: „Das bisherige
Eckpunktepapier für den Gebäudetyp E muss zügig in ein Gesetz münden. Bauen nach
den vereinfachten Maßstäben muss zum Standard werden und nicht bloß die erlaubte
Ausnahme von der Regel sein. Freiwillig nach höheren Standards bauen dürfen
Bauherren aber natürlich auch künftig.“
