18. Mai 2026

Baugenehmigungszahlen und Stimmung sinken: Nachhaltige Trendwende auf hessischem Wohnungsmarkt nicht in Sicht

Die Baugenehmigungszahlen bleiben in Hessen im März weit hinter dem Bundestrend zurück. Zudem hat sich die Stimmung im Wohnungsbau laut ifo-Geschäftsklimaindex so stark verschlechtert wie seit Beginn des Ukraine-Kriegs nicht mehr. Der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest) warnt: Die zuletzt leichte Trendwende an den Wohnungsmärkten droht im Keim zu ersticken, wenn die Politik nicht zügig gegensteuert.

 

Während bundesweit die Baugenehmigungen im März 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 11,5 Prozent gestiegen sind, ist im selben Zeitraum in Hessen ein Rückgang von 4,5 Prozent zu verzeichnen. Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand VdW südwest, sagt: „Hessen kann es sich als eines der wirtschaftsstärksten Bundesländer nicht leisten, so stark hinter dem Bundestrend zurückzubleiben. Schon jetzt gibt es viel zu wenig Wohnungen und wenn nicht genügend hinzukommen, wird es auch nicht gelingen, Arbeitskräfte zu gewinnen. Das nicht ausreichende Wohnungsangebot droht somit, zu einer massiven Job- und Wirtschaftsbremse zu werden. Deswegen muss die Politik dringend gegensteuern.“

 

Abschwung beim ifo-Geschäftsklimaindex

Hinzu komme: Die geopolitische Unsicherheit – allen voran durch den Iran-Krieg –, fragile Lieferketten und steigende Bau- und Finanzierungskosten würden auch den Wohnungsbau belasten. Dies belege der aktuelle ifo-Geschäftsklimaindex für die Branche: Im April ist er von minus 19,3 Punkten auf minus 28,4 Zähler gefallen, was gleichbedeutend mit dem stärksten Rückgang seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ist.

 

Tausendpfund mahnt: „Diese Gemengelage droht den bescheidenen Aufschwung auf den Wohnungsmärkten aus den vergangenen Monaten im Keim zu ersticken. Die Politik muss deswegen auf allen Ebenen Verantwortung dafür übernehmen, dass Bauen wieder schneller, einfacher und günstiger wird.“

 

Baupaket II und Förderung

Auf Landesebene gehe es vor allem darum, das Baupaket II schnell umzusetzen, um in der Landesbauordnung alle überzogenen und nicht sicherheitsrelevanten Baustandards zu reduzieren, die den Neubau unnötig erschweren und verteuern. Darüber hinaus sei es wichtig, bald Planungssicherheit bei den Förderprogrammen zu gewinnen. Aufgrund der noch ausstehenden Aktualisierung der Förderrichtlinie seien in diesem Jahr nach wie vor keine Förderanträge möglich.

 

Darüber hinaus tritt Tausendpfund entschieden Plänen entgegen, die Modernisierungsförderung im sozialen Wohnungsbau abzuschaffen. Sie sei unverzichtbar, um sanierungsbedürftige Bestände zu ertüchtigen und Mieterinnen und Mieter vor hohen Energiekosten zu schützen.

 

Gebäudetyp E in Gesetz gießen

Auch die Bundespolitik nimmt Tausendpfund in die Pflicht: „Das bisherige Eckpunktepapier für den Gebäudetyp E muss zügig in ein Gesetz münden. ,E wie einfach‘ muss jetzt endlich Realität werden. Weniger Komplexität, klare Standards und schnellere Entscheidungen sind der Schlüssel, damit wieder mehr gebaut wird.“ Bauen nach den Maßstäben für den Gebäudetyp E müsse zum Standard werden und nicht bloß die erlaubte Ausnahme von der Regel sein. Freiwillig nach höheren Standards bauen dürften Bauherren aber natürlich auch künftig.

 

Zudem fordert Tausendpfund von den Kommunen, ihre Gestaltungsspielräume stärker zu nutzen, die ihnen der Bau-Turbo bietet. So ließen sich Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzen. Dank der schlankeren Verfahren würden dann schneller und günstiger mehr Wohnungen entstehen können.

 

Tausendpfund resümiert: „Auf allen politischen Ebenen muss die Devise lauten: Vorfahrt für den Wohnungsbau! Nur so werden mehr Menschen ein Zuhause finden, das sie sich leisten können.“

Voosen, Jan
Jan Voosen
Abteilungsleiter Kommunikation, Pressesprecher

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