Mehr bezahlbaren und zugleich klimagerechten Wohnraum zu ermöglichen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben der rheinland-pfälzischen Landesregierung in der kommenden Legislaturperiode. In einem gemeinsamen Positionspapier haben der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen (VdW Rheinland Westfalen) und der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest) Leitlinien für eine sozial verantwortliche und zugleich wirtschaftlich tragfähige Wohnungspolitik definiert.
Eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist in vielen rheinland-pfälzischen Städten für Menschen mit kleinerem und mittlerem Einkommen weiterhin schwierig. Um den Bedarf zu decken, müssten bis 2030 nach Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) jährlich rund 15.200 Wohnungen entstehen. Doch die Entwicklung der Baufertigstellungszahlen hinkt diesem Ziel deutlich hinterher (minus 23,6 Prozent im Jahresvergleich 2024 zu 2023). Auch die zuletzt gestiegenen Baugenehmigungszahlen geben nur bedingt Anlass für Zuversicht. 2025 wurden in Rheinland-Pfalz knapp 13.000 neue Wohnungen genehmigt, so dass die benötigte Zahl von 15.200 Wohnungen pro Jahr auch künftig vermutlich verfehlt wird.
Baukosten doppelt so stark gestiegen wie Inflation
Die Gründe für die geringe Bauaktivität liegen vor allem in den hohen Baukosten: Sie haben sich von der allgemeinen Preissteigerung zunehmend entkoppelt und sind laut statistischem Bundesamt seit 2019 mehr als doppelt so stark gestiegen wie die Inflation. In Verbindung mit den auf über vier Prozent gestiegenen Bauzinsen haben die Herstellungskosten für Neubauwohnungen in den vergangenen fünf Jahren laut einer RegioKontext-Studie um 32,3 % auf 5.233 Euro pro Quadratmeter zugelegt.
Damit zügig mehr Wohnungen entstehen können, sehen die Verbände der sozial orientierten Wohnungswirtschaft dringenden Handlungsbedarf.
Alexander Rychter, Verbandsdirektor des VdW Rheinland Westfalen, sagt: „Die Wohnraumförderung ist fürs bezahlbare Wohnen unverzichtbar. Gerade in Zeiten hoher Baukosten ist sie attraktiv und die Landesregierung hat den Förderetat zurecht verdoppelt. Doch Bearbeitungszeiten von mehr als einem Jahr sind problematisch. Wir sehen die Bemühungen der Förderbank, das Problem zu lösen. Doch was wir brauchen, ist eine schnelle Digitalisierung und ein einfacheres Förderprogramm.“
Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand VdW südwest, sagt: „Bauen und Modernisieren muss schneller, einfacher und günstiger werden. Die bisherigen Reformen der Landesbauordnung waren ein Schritt in die richtige Richtung, doch weitere Erleichterungen sind notwendig. Wir müssen zu dem Standard ‚Gut ist gut genug’ zurückkehren, um die Kostenexplosion zu stoppen. Nur so können mehr bezahlbare Wohnungen in Rheinland-Pfalz gebaut werden.“
Positionspapier zur Landtagswahl
Darüber hinaus fordern die Verbände eine Fortsetzung des „Bündnis Bezahlbares Wohnen und Bauen Rheinland-Pfalz“ und eine stärkere Unterstützung der Wohnungspolitik der Kommunen. Außerdem plädieren sie dafür, statt der Gebäudeeffizienz die CO2-Einsparung stärker in den Blick zu nehmen. Darüber hinaus müsse das altersgerechte Wohnen ebenso stärker gefördert werden wie das Wohnen im ländlichen Raum. Auch die Grunderwerbsteuer sollte für Investoren reduziert werden, wenn sie nachweislich bezahlbare Wohnungen schaffen.
