22. Januar 2026

Wohnen ist ein Menschenrecht: Politik muss 2026 mehr Verantwortung für das Wohnen übernehmen

Alle Menschen müssen ein Zuhause finden, das sie sich leisten können – das ist nach wie vor eine der drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen. Doch Wohnraum ist auch in Hessen vielerorts Mangelware. Deswegen fordert der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest) alle staatlichen Ebenen auf, Verantwortung zu übernehmen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die es schnell ermöglichen, mehr Wohnungen zu schaffen.

Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand VdW südwest, sagt: „Wohnen ist ein Menschenrecht. Deswegen müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, die zunehmenden Engpässe auf den Wohnungsmärkten zu beheben. Unsere Unternehmen stehen dafür in den Startlöchern, aber die sozial orientierte Wohnungswirtschaft allein kann die Krise nicht lösen. Landes- und Bundespolitik – und auch die Kommunen – müssen ebenfalls Verantwortung übernehmen, damit mehr Wohnungen entstehen.“

 Die Situation in Hessen ist besorgniserregend: Über 26.000 Wohnungen werden nach Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bis 2030 jährlich benötigt. Doch die Entwicklung der Baufertigstellungszahlen (- 15,6 Prozent in 2024) hinkt diesem Ziel deutlich hinterher. Auch die zuletzt leicht gestiegenen Baugenehmigungszahlen geben nur wenig Anlass für Zuversicht. Von Januar bis November 2025 wurden insgesamt lediglich 15.000 Genehmigungen erteilt. „Damit ist klar, dass die benötigte Zahl von über 26.000 Wohnungen pro Jahr auch künftig deutlich verfehlt wird“, prognostiziert Tausendpfund.

Wohnungsnot als Job- und Wirtschaftsbremse

Das habe auch negative Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort. Wenn es nicht genügend Wohnungen gebe, könne es nicht gelingen, Arbeitskräfte zu gewinnen. Das nicht ausreichende Wohnungsangebot sei eine massive Job- und Wirtschaftsbremse für Hessen. Deswegen fordert er weitere Maßnahmen und Reformen auf dem Wohnungsmarkt.

Tausendpfund sagt: „Das Bauen und Modernisieren von Wohnungen muss schneller, einfacher und günstiger werden.“ Aktuelle Zahlen belegen: Die zuletzt schon historisch hohen Baupreise in Hessen sind laut Angaben des Statistischen Landesamtes 2025 noch einmal um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen – und haben damit fast doppelt so viel zugelegt wie die Verbraucherpreise. In diesem Umfeld sei es zunehmend unmöglich, Bauprojekte kostendeckend zu realisieren.

Auf Landesebene bedeute die Novelle der Hessischen Bauordnung (Baupaket I) zwar einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Doch darin gehe es überwiegend um Regelungen für Bestandsgebäude. „Auch für den Neubau müssen die Vorgaben dringend überarbeitet werden. Dafür muss das angekündigte Baupaket II die Voraussetzungen schaffen. Sonst bleibt die anvisierte Trendwende auf dem Wohnungsmarkt ein politisches Lippenbekenntnis“, so Tausendpfund. Der VdW südwest habe sich in der Expertenkommission Innovation im Bau intensiv eingebracht, um überzogene und nicht sicherheitsrelevante Baustandards zu reduzieren.

Gute und verlässliche Förderprogramme essentiell

Handlungsbedarf sieht Tausendpfund auch bei den Wohnraumförderprogrammen, die aufgrund der hohen Nachfrage 2025 um rund 500 Millionen Euro überzeichnet waren: „Es hätten also deutlich mehr Wohnungen gebaut werden können. Dieses Szenario darf sich nicht wiederholen, sonst verpassen wir eine riesige Chance, einen spürbaren Beitrag zur Entlastung des angespannten Wohnungsmarkts zu leisten. Denn unsere Unternehmen wollen bauen“, sagt Tausendpfund.

Potenziale zur Aufstockung der Förderprogramme sieht er vor allem in den Landesmitteln des Sondervermögens „Infrastruktur und Klimaschutz“. Ein erster Schritt wäre es, wenn von den für die Bereiche Mobilität sowie Städte- und Wohnungsbau eingeplanten 730 Millionen Euro 300 Millionen Euro in die soziale Wohnraumförderung fließen würden. In offenen Briefen an den Ministerpräsidenten und den Wirtschaftsminister hat der Verband bereits die Nutzung des Sondervermögens für diese Zwecke gefordert.

Bund und Kommunen ebenfalls in der Pflicht

Auf Bundesebene mahnt Tausendpfund mehr Engagement für einfacheres Bauen an: „Das bisherige Eckpunktepapier für den Gebäudetyp E muss zügig in ein Gesetz münden.“ Außerdem spricht er sich für ein generelles Umdenken aus: „Bauen nach den Maßstäben für den Gebäudetyp E muss zum Standard werden und nicht bloß die erlaubte Ausnahme von der Regel sein.“ Bauherren dürfen selbstverständlich nach wie vor freiwillig höhere Standards bauen.

Positive Auswirkungen könne auch der Bau-Turbo haben. Wichtig sei jedoch, dass die Möglichkeiten auch tatsächlich genutzt würden, über schlankere Verfahren schneller mehr Wohnungen entstehen zu lassen. „Hier sind die Kommunen in der Pflicht“, sagt Tausendpfund. „Sie müssen ihre Gestaltungsspielräume nutzen und die Planungs- und Genehmigungsverfahren verkürzen.“

Tausendpfund resümiert: „In den aktuell unruhigen Zeiten bedeuten mehr bezahlbare Wohnungen am Markt eine enorme Entlastung für die Gesellschaft. Dann haben mehr Menschen ein Zuhause, das sie sich leisten können. Deswegen muss die Politik der Trendwende auf dem Wohnungsmarkt Vorfahrt einräumen.“

 

Wohnungspolitische Forderungen des VdW südwest 2026

  1. Wohnen ist ein Menschenrecht. Alle Akteure aus Staat und Gesellschaft müssen ihren Beitrag dazu leisten, dieses Recht zu verwirklichen – und den Menschen ein gutes, bezahlbares und sicheres Zuhause ermöglichen.
  2. Bund, Länder und Kommunen müssen alles daransetzen, dass Bauen wieder schneller, einfacher und günstiger wird und mehr Wohnungen dort entstehen, wo sie gebraucht werden.
  3. Das Land Hessen muss dem Baupaket I zügig das Baupaket II folgen lassen und überzogene und nicht sicherheitsrelevante Baustandards konsequent streichen. Außerdem muss der Bau bezahlbarer Wohnungen mit 300 Millionen Euro zusätzlich aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz angekurbelt werden.
  4. Der Bund muss schnellstens den Gebäudetyp E ermöglichen, um die Baukosten deutlich zu reduzieren und Rechtssicherheit für alle am Bau Beteiligten zu schaffen.
  5. Die Kommunen müssen den Bau-Turbo nutzen und so Planung, Genehmigung und Bau von Wohnungen deutlich beschleunigen.

2026 muss das Jahr der Trendwende für den Wohnungsbau werden. Jetzt zählen Entscheidungen, nicht Absichtserklärungen. Die Devise muss lauten: Alle Hebel nach vorne und Vorfahrt für den Wohnungsbau!

Voosen, Jan
Jan Voosen
Abteilungsleiter Kommunikation, Pressesprecher

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