Fachkonferenz zum „Stadtumbau West“

„Wohnungsunternehmen haben zentrale Rolle“

 

In einer gemeinsamen Veranstaltung des VdW südwest und der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Wohnungs- und Immobilienverbände in Hessen (AWI-Hessen) am 3. November 2009 in Wiesbaden haben überregionale Experten und Vertreter von Wohnungsunternehmen die Herausforderungen beim „Stadtumbau West“ thematisiert. An mehreren Beispielen wurde deutlich, dass die Wohnungswirtschaft eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der Herausforderungen einnehmen kann.
Ziel der Tagung in Wiesbaden war es, praxisnahe Antworten auf vorhandene und zukünftige städtebauliche und stadtplanerische Herausforderungen aufzuzeigen, die die demographischen Veränderungen und der wirtschaftliche Strukturwandel zunehmend in vielen Regionen Westdeutschlands mit sich bringen – mit erheblichen Konsequenzen auch für die Wohnungswirtschaft. Die Veranstaltung war geprägt von praxisnahen Fachvorträgen und einer Podiumsdiskussion, in der die zentralen Herausforderungen, die praktischen Erfahrungen sowie die Innovationen im „Stadtumbau West“ dargestellt und gemeinsam mit den Teilnehmern diskutiert wurden. Dr. Hans-Peter Gatzweiler vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung verwies in seinen Ausführungen zwar auf die Erfolge des Programms „Stadtumbau West“, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass ein solches Programm allein keine Trendwende bei der Schrumpfung von Städten und Gemeinden, bedingt durch den demographischen Wandel, bewirken kann. Vielmehr sei auch eine „Qualitätsoffensive“ für den Lebensraum Stadt notwendig, dabei nicht zuletzt eine sozialgerechte und umweltverträgliche Stadtentwicklung. Martin Karsten, Projektleiter der Bundestransferstelle Stadtumbau West, stellte die aktuellen Ergebnisse einer Befragung der am Programm beteiligten Kommunen vor. Zu den zentralen Herausforderungen, auch der 91 hessischen Kommunen, die sich im Förderprogramm befinden, gehört die Revitalisierung von Industrie- und Militärbrachen ebenso wie ein zunehmender Wohnungsleerstand.

 

Zentrale Rolle für die Wohnungswirtschaft

Monika Fontaine-Kretschmer von der NH ProjektStadt ging in ihren Ausführungen auf die besondere hessische Situation ein, wo sich insgesamt 77 Programmkommunen in Interkommunalen Kooperationen zusammengeschlossen haben. Ziel dieser Kooperationen ist die Abstimmung infrastruktureller, sozialer, immobilienwirtschaftlicher und siedlungsstruktureller Aufgaben. Voraussetzung dafür ist die Gründung einer geeigneten Organisationsform, entweder eines Zweckverbandes oder einer kommunalen Arbeitsgemeinschaft. Eine zentrale Rolle im „Stadtumbau West“ komme dabei, so Fontaine-Kretschmer, der Wohnungswirtschaft zu. Hier müsse man sich allerdings auch über den Rückbau von Wohngebäuden aus demographischen Gründen Gedanken machen. Sie forderte unter anderem den Einsatz von Fördermitteln aus dem Stadtumbau für derartige Rückbaumaßnahmen.

 

Praxisbeispiele

Anhand von Praxisbeispielen aus der Wohnungswirtschaft wurde den Konferenzteilnehmern überdies ein Einblick in konkrete Projekte ermöglicht. Karl-Heinz Range, Vorsitzender des Verbandsrates des VdW südwest und Vorstand der Vereinigte Wohnstätten 1889 eG in Kassel, präsentierte in seinem Vortrag das erfolgreiche Quartierskonzept seines Unternehmens vor dem Hintergrund einer sich verändernden sozioökonomischen Gemengelage. Udo Donau, stellvertretender Geschäftsführer der Wohnbau Gießen GmbH, informierte über die zukünftige Nutzung ehemaliger US-Siedlungen in Gießen. Mit der Erschließung und Entwicklung dieser Wohngebiete bekam die Stadt Gießen die einmalige Möglichkeit, ein attraktives Wohngebiet optimal an die städtischen Strukturen und Bedarfe anzupassen, mit der Chance zu einer nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung.