Fachkonferenz der AWI-Hessen "Preisgünstiges Wohnen"

Niedrigpreisiges Wohnsegment: Das Markt-Ungleichgewicht nimmt zu

 

 

Die Arbeitsgemeinschaft der Wohnungs- und Immobilienverbände Hessen (AWI-Hessen) hat sich am 9. November 2010 in einer Fachkonferenz mit dem Thema „Preisgünstiges Wohnen“ befasst. Rund 80 Teilnehmer aus der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft sowie Vertreter von Kommunen waren in Frankfurt zusammengekommen, um sich anhand von Marktuntersuchungen, Erfahrungsberichten und Praxisbeispielen umfassend über die unterschiedlichen Facetten dieses schon aktuell, aber künftig noch bedeutsamer werdenden Themas auszutauschen. Diskutiert wurden dabei auch die Gestaltungsmöglichkeiten der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft sowie der Förderpolitik. Preisgünstiges Wohnen wird gerade in den Regionen immer wichtiger, in denen die Bevölkerung und die Zahl der Haushalte auch mittelfristig noch steigen und die Wirtschaft wächst. Vor allem in den Kernstädten verdichteter Regionen ist die Befriedigung der Nachfrage nach preisgünstigem und gleichzeitig qualitativ hochwertigem Wohnraum allerdings zunehmend problematisch. Insbesondere Haushalte mit geringem und durchschnittlichem Einkommen haben in diesen Regionen Probleme, adäquaten Wohnraum zu finden. Aufgrund sozioökonomischer Entwicklungen wächst in näherer Zukunft aber insbesondere die Zahl dieser Haushalte überproportional. In der Folge werden gerade diese Haushalte die zukünftige Wohnungsmarktentwicklung und Wohnungsnachfrage im besonderen Maße beeinflussen. Gleichzeitig fordert die Politik aus klimapolitischen Gründen eine deutliche Steigerung der energetischen Sanierungsquoten im Wohnungsbestand, was bei Mietwohnungen zwangsläufig zur Notwendigkeit von Mietsteigerungen führt. Eine der zentralen Fragen bei der von der AWI-Hessen durchgeführten Fachveranstaltung war daher unter anderem, wie es angesichts der sozioökonomischen Herausforderungen und klimapolitischen Rahmenbedingungen auch in Zukunft gelingen kann, insbesondere Haushalten mit geringem und durchschnittlichem Einkommen preisgünstigen und adäquaten Wohnraum vorzuhalten. Grundlage für die Beantwortung bildete eine wissenschaftliche Darstellung und Analyse der Wohnungsmarktentwicklung und Wohnungsnachfragesituation in Hessen. Darauf aufbauend wurden Faktoren, Vorgaben und Restriktionen dargestellt und erläutert, die preistreibend wirken und mit denen sich die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft konfrontiert sieht. Abschließend wurden dann besonders gelungene Beispiele für preisgünstiges Wohnen aus der wohnungs- und immobilienwirtschaftlichen Praxis präsentiert und diskutiert.

 

Marktanalyse Hessen

Eingeleitet wurde die Fachkonferenz durch Dr. Christian von Malottki vom Institut Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt, der in seinem Vortrag die künftige Wohnungsmarktentwicklung in Hessen, unter besonderer Berücksichtigung des preisgünstigen Segments, analysierte. Hinsichtlich Bevölkerungsentwicklung, Wohnungsbedarf und Haushaltszahlen zeigt sich dabei in Hessen eine klare Zweiteilung. In Nord- und Osthessen nehmen Bevölkerung, Wohnungsbedarf und Haushaltszahlen mittel- und langfristig deutlich ab. Im Süden Hessens, insbesondere im Rhein-Main-Gebiet, steigt der Wohnungsbedarf weiterhin, da hier die Zahl der Haushalte weiter wächst, auch weil insbesondere der Anteil der Haushalte im Niedrigeinkommensbereich zunimmt. Dies ist aus Sicht des IWU problematisch, da die steigende Nachfrage nach preisgünstigen Wohnungen, auch dadurch ausgelöst wird, dass weit über 50 Prozent der Bedarfsgemeinschaften im Sozialgesetzbuch (SGB) II / XII aus einer Person bestehen, mit der derzeitigen Angebotssituation auf dem Wohnungsmarkt kollidiert, wo einfache Wohnungen zumeist aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren stammen und meist zwei bis vier Zimmer haben. Aus Sicht von Malottki bedarf es daher weiterhin insbesondere wohnungspolitischer Instrumente, um dem „mismatch“ zwischen Nachfrage und Angebot in diesem Segment entgegenzuwirken, auch weil hier klassische Filtereffekte allein nicht die notwendigen Wohnungen schaffen. Sinnvoll erscheint ihm daher beispielsweise eine ausgewogene und an den jeweiligen Markt angepasste Mischung aus Objekt- und Subjektförderung.

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