Süßspeisen als Bindemittel der Integration

Projekt „Süße Integration“: Im Wohnquartier geht die Integration durch den Magen 


LUWOGE

 

Zu Beginn der Sommerferienzeit war das Projekt „Süße Integration“ in Wetzlar und Kassel gestartet worden. Es stieß Anfang August 2010 auch in Ludwigshafen, der dritten und vorläufig letzten Station, auf große Zustimmung. Es ist Teil der Aktionsreihe WiN (Wohnen in Nachbarschaften) des VdW südwest. Beim gemeinsamen Zubereiten internationaler Süßspeisen finden Nachbarn zusammen. Das Projekt soll vor allem zeigen, dass interkulturelle Begegnungen und der gemeinsame Austausch für alle Beteiligten geWiNnbringend Nachbarschaften versüßen können.
Die 15 Bewohner der „Pfingstweide“, einem Wohnviertel mit Beständen des BASF-Wohnungsunternehmens LUWOGE in Ludwigshafen, hatten sich etwas ganz besonderes ausgedacht. Getreu dem Motto „Integration funktioniert dann besonders gut, wenn man bei aller Gemeinsamkeit die kulturellen Unterschiede nicht verwischt, sondern pflegt“, machten sich die kleinen und großen internationalen Zuckerbäcker an die anspruchsvolle Aufgabe, in der Küche des „Haus Noah“ einen süßen Zug mit Lok und vielen Wagen zu backen und zu gestalten. Da gab es den „Kalten-Hund“-ICE aus Deutschland, den Canolli-Express aus Sizilien, den Revani-Wagen aus der Türkei, den Petits-Fours-TGV aus Frankreich, den Nussecken-Waggon aus Thailand, den kanadischen Rehrücken-Train und den Pfälzer Gemüse-Transporter aus Marzipan.
Waggon um Waggon wuchs der Süßspeisenzug und nicht nur die Erwachsenen, auch die Kinder legten kräftig Hand dabei an. Die achtjährige Brende war ganz stolz, weil sie die Marzipan-Karotten formte, während der elfjährige Mustafa die Mandelsplitter aufgesteckt hatte. Die zehnjährige Blerina stach die Hildaplätzchen aus, aus denen die Räder des Zuges gestaltet wurden. Die Zuckerbäcker aus der Nachbarschaft hatten die Rezepte für das gemeinsame Backen von zu Hause mitgebracht, und so wurde das gemeinsame Treffen der Kulturen auch zu einem kulturellen Rezepte-Plausch über kulinarische Spezialitäten aus aller Welt: Neben Deutschland waren Italien und die Türkei vertreten, ebenso Kinder aus Frankreich, dem Kosovo oder Vietnam. VdW südwest Verbandsdirektor Rudolf Ridinger war nach der dritten Etappe seines Pilotprojektes sichtlich zufrieden, und das lag nicht nur an den schmackhaften Süßspeisen, die auch er sich munden ließ. „Das Projekt hat sein Ziel erreicht. Gemeinsames Backen trägt ganz offensichtlich dazu bei, Nachbarschaft als Gewinn zu erleben. Dabei werden Berührungsängste und Hemmschwellen abgebaut, und dies nicht nur zwischen Menschen verschiedener Kulturen, sondern auch jeden Alters. Und eines ist gewiss: Essen und Kochen beschäftigt ja schließlich jeden.“ Eine Aktion, die „prima hier rein passt“, wie LUWOGE-Prokurist Ralf Werry bemerkte: In dem Haus gebe es bereits „ein reges Miteinander“, mit verschiedenen interkulturellen Aktivitäten.

 

Gegen den Trend der Vereinsamung

Zwar kümmere sich auch die Politik um Integration, so Ridinger, aber dies verenge sich zu sehr auf Gespräche mit Interessengruppen und drehe sich all zu häufig um das Erlernen der deutschen Sprache. Nachbarschaftliche Kommunikation gehe jedoch weit darüber hinaus. Wenn es in vielen Wohngebieten gelinge, die Vorteile interkultureller Nachbarschaften für die Bewohner von Wohnquartieren durch Aktionen wie die „Süße Integration“ erlebbar zu machen und die Bewohner dabei aktiv einzubinden, dann bestünden gute Chancen für eine erfolgreichere interkulturelle Integration, so Ridinger. „Die Herausforderung an eine Integration wird dadurch noch stärker, dass in unserer Gesellschaft der Trend der Vereinsamung und Ausgrenzung eher zu- als abnimmt. Wie soll eine Integration von Menschen mit Migrationshintergrund gelingen, wenn unsere Gesellschaft insgesamt ein Problem des gesellschaftlichen Zusammenhalts aufweist?“, brachte Ridinger die Herausforderungen auf den Punkt. Auch aus diesem Grund komme es dringend darauf an, die Menschen im Rahmen ihrer Nachbarschaften wieder näher zusammenzubringen.