Fachveranstaltung „Wohnungswirtschaft – Fels in der Brandung?!“

Zunehmende Anspannung auf den Wohnungsmärkten

Arbeitsgemeinschaft der hessischen Wohnungs- und Immobilienverbände (AhWI)

Wenig optimistisch für die Zukunft der Wohnungsmärkte zeigten sich die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Wohnungs- und Immobilienverbände in Hessen (AWI-Hessen) bei der ersten gemeinsamen Fachveranstaltung zur Marktentwicklung „Wohnungswirtschaft – Fels in der Brandung?!“, die am 23. April 2009 in Frankfurt stattfand. „Wohnen kann zum Problemlöser für vieles werden, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen“, so Dr. Rudolf Ridinger, Verbandsdirektor des VdW südwest. Allerdings warnten die Akteure auch vor gravierenden Auswirkungen der niedrigen Bautätigkeit und forderten von der Politik Sofortmaßnahmen zur Trendwende und einen sofortigen Stopp zunehmender Regulierungen, vor allem im energetischen Bereich. Das größte Problem für die gewerbliche wie auch die private Wohnungswirtschaft sei der extreme Rückgang der Bautätigkeit. „Baugenehmigungen befinden sich im freien Fall“, erklärte Ridinger. Zwischen 2004 und 2008 sei deren Zahl in Hessen von rund 19.000 auf 10.000 gesunken. Und die Bautätigkeit sei im ersten Quartal 2009 nicht nur niedrig geblieben, sondern zeige weiter fallende Tendenz.

 

Belastungen durch Baupreissteigerungen

Zu einer weiteren Belastung hätten sich die Baupreise entwickelt. Innerhalb von nur zwei Jahren, so Ridinger, hätten die Baupreise um neun Prozent zugelegt. Dass die Investitionen in der Wohnungswirtschaft in den vergangenen Jahren dennoch gestiegen seien, habe vor allem mit einem „kontinuierlichen Investitionsverhalten“ der Marktteilnehmer und „Sondereffekten in Frankfurt und Darmstadt“ zu tun. Die Mietpreissteigerungen hätten 2008 erstmals seit langer Zeit über der allgemeinen Preissteigerungsrate gelegen. Dies sei insbesondere auf Modernisierungen von Wohnungen zurückzuführen. Die erzielten Preissteigerungen seien gleichwohl häufig nicht auskömmlich.

 

Hauseigentümer erwirtschaften häufig keine Rendite

Außerdem sei die Einnahmesituation bei privaten Wohnungsvermietern derzeit sehr angespannt. „Die Mehrzahl der  Hauseigentümer erwirtschaftet aus ihren Häusern keine Rendite mehr“, klagte Günther Belz, der Vorsitzende von Haus & Grund Hessen. Stephan Schlocker vom Immobilienverband Deutschland, IVD Mitte, stellte zugleich fest, dass sich der Markt für den Verkauf von Eigentumswohnungen und Reihenhäusern auf niedrigem Niveau stabilisiert, im ländlichen Raum sei der Preisdruck allerdings groß. Seit der „katastrophalen“ Mietrechtsreform 2001, die den Mietern erlaube, kurzfristig zu kündigen, mieden Privatinvestoren den Mietermarkt, so Schlocker. Dies sei umso problematischer, als trotz sinkender Bevölkerungszahlen die Zahl der Haushalte steigt. Ridinger hält 200.000 neue Wohnungen in Deutschland für nötig, gebaut würden derzeit aber nur rund 180.000 pro Jahr. Dies liegt nach Einschätzung von Stefan Schlocker auch an der sinkenden Bereitschaft der Banken, Neubauten zu finanzieren. Lediglich Sparkassen und Volksbanken seien hier noch zugänglicher, wie Dr. Lutz Wentlandt, Geschäftsführer des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/Rheinland Pfalz, feststellte. Dabei müssten angesichts „sensationell niedriger Zinsen“ Kapitalanleger doch gerade jetzt in Immobilien investieren. Wentlandt machte allerdings eine steigende Tendenz hin zu Kapitalanlagen in Wohnungen aus – offenkundig eine Reaktion auf die internationale Finanzkrise und den Absturz der Aktienmärkte. Dennoch scheinen die erschwerte Finanzierungsmöglichkeit und die geringen Renditen auch immer mehr Hauseigentümer in Hessen in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten zu bringen. Die Folge sind nach den Worten von Gerald Lipka, Geschäftsführender Vorstand des Verbandes der Immobilienverwalter, sinkende Verkehrswerte und eine steigende Zahl von Zwangsversteigerungen.

 

Mietrechtsnovelle angemahnt

In einer anschließenden Diskussionsrunde forderten zahlreiche Diskutanten nachdrücklich ein Umdenken und eine stärkere Beachtung der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft durch die Politik. Dabei geht es nach Meinung aller an der Diskussion Beteiligten vor allem um klare und langfristig verlässliche politische Rahmenbedingungen. Ridinger forderte außerdem steuerrechtliche Korrekturen sowie eine Änderung des Mietrechts, damit die Zahl der Rechtsstreite zurückgeht. Wenn dies der Fall sei, könne die Wohnungswirtschaft „Problemlöser für vieles werden“.

 

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